Butterlampe

Saga Dawa – der heilige Monat im Buddhismus

Saga Dawa, im tibetischen Buddhismus „Monat der Verdienste“ genannt, beginnt normalerweise im Mai und endet im Juni, jeweils mit einem Neumond.

„Verdienste ansammeln“ wird im Buddhismus auf verschiedene Weise verstanden. In diesem Zusammenhang sind Verdienste die Früchte guten Karmas, die uns auf unserem Weg zur Verwirklichung unseres Potentials zur Erleuchtung bzw. Befreiung vom Leiden förderlich sind. Die frühen Schulen des Buddhismus beschreiben Großzügigkeit (dana), Tugendhaftigkeit (sila), geistige Schulung bzw. Meditation (bhavana) als die Drei Grundlagen für Verdienste.

In den Schulen des tibetischen Buddhismus, zu denen auch die Nyingma Tradition („alte Schule“ genannt) gehört, wird der Vollmond in der Mitte dieses heiligen Monats „Saga Dawa Duchen“ genannt („Duchen“ bedeutet „großes Ereignis“). Dieses ist der heiligste Tag im Jahr für tibetische Buddhisten. An ihm werden – wie auch bei der Vesak-Feier der Theravada-Buddhismus-Traditionen – Buddhas Geburt, Erleuchtung und Parinirvana (endgültiges Erlöschen) gefeiert.

Verschiedene Weisen, wie Verdienste im Buddhismus gesammelt werden.

Saga Dawa ist nach der tibetischen Tradition des Buddhismus der aller günstigste Monat für verdienstvolle Handlungen. An Saga Dawa Duchen werden die Verdienste solcher Handlungen gar um das 100,000-fache vervielfältigt.

Solche Handlungen können z. B. Pilgerreisen zu heiligen Orten sein. In Tibet, Nepal und Nordindien gibt es unzählige Berge, Seen, Höhlen und andere Orte in der Natur, die seit Jahrtausenden das Ziel von Pilgern des Buddhismus sind. Buddhistische Klöster, Tempel und Stupas (im tibetischen „Chörten“ genannt) werden auch gerne von Pilgern aufgesucht.

Eine weit verbreitete Praxis ist das Umschreiten eines Schreins, einer Stupa oder eines Tempels. Die Pilger gehen im Uhrzeigersinn um die heilige Stätte und beten oder rezitieren buddhistische Mantras dabei, wie das Mantra des Mitgefühls Om Mani Padme Hum. Einige, die sich körperlich dazu in der Lage sehen, machen während dieser Umrundungen Niederwerfungen mit ihrem ganzen Körper.

Dana, die Praxis der Großzügigkeit in Form von Geben, ist im Buddhismus der am weitesten verbreitete Weg um Verdienste anzusammeln. Dazu gehört besonders das Spenden an Tempel und die monastische Sangha (Gemeinschaft) der Nonnen und Mönche. Aber auch das Geben an Bettler, besonders an Saga Dawa, ist nach der buddhistischen Tradition sehr glückverheißend.

Eine weitere Form der Praxis in Großzügigkeit ist das Opfern von Butterlampen. Ursprünglich mit geklärter Yakbutter gefüllt, werden heutzutage Butterlampen meist mit Pflanzenöl gespeist. Das Licht dieser Lampen soll alle Dunkelheit – spirituelle wie visuelle – vertreiben. In den tibetisch-buddhistischen Tempeln innerhalb und außerhalb Tibets, werden besonders an Saga Dawa sehr viele Butterlampen entzündet. Das Spenden für Lampenöl ist daher eine weitere Art, Verdienste anzusammeln.

An den buddhistsichen Nyingma Zentren von Tarthang Tulku Rinpoche weltweit wird Saga Dawa mit feierlichen Zeremonien begangen. Auch am Nyingma Zentrum für Yoga, Meditation und Buddhismus in Köln-Nippes widmen wir den Vollmondtag „Saga Dawa Duchen“ am Samstag, 21. Mai ab 20:15 Uhr einer besonderen Zeremonie, zu der wir alle Interessierten herzlich einladen. Mit einem kurzen Vortrag, Mantrasingen und stiller Meditation ist diese schöne Zeremonie eine wunderbare Gelegenheit, sich wieder auf das eigene Wohl, das unserer Lieben und aller Wesen zu besinnen.

Nyingma Zentrum für Buddhismus, Meditation und Yoga in Köln, 09.05.2016